Float: Wie ein VR-Spiel Prothesenforschung unterstützt

Ein studentisches Projekt, das Gaming und Medizintechnologie auf innovative Weise verbindet: Mit Float ist ein Virtual-Reality-Spiel entstanden, das nicht nur unterhält, sondern aktiv zur Weiterentwicklung moderner Handprothesen beiträgt.

In Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Startup Myomod entwickelte ein sechsköpfiges Team eine Anwendung, die Muskelkontraktionsdaten spielerisch erfasst und für die Forschung nutzbar macht.

Im Interview gibt die Studentin Jennifer Bell Einblicke in die Entstehungsgeschichte, die Herausforderungen eines interdisziplinären Projekts und das Potenzial von Serious Games im Gesundheitsbereich. Dabei wird deutlich, wie digitale Innovationen und kreative Ansätze dazu beitragen können, medizinische Lösungen zugänglicher, effizienter und langfristig auch kostengünstiger zu gestalten.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen für Float?

Float war unser Drittsemesterprojekt. In diesem Semester bekommen Teams im Studiengang einen Kunden, für den sie ein Serious Game - also ein Spiel mit gesellschaftlichem Mehrwert - entwickeln sollen. Unser Kunde war Myomod, ein kleines Startup-Unternehmen aus Frankfurt. Ihr Ziel ist es, Handprothesen langfristig günstiger zu machen. Dafür brauchten sie vor allem Daten zur Muskelkontraktion, also dazu, wie sich Muskeln bei bestimmten Primärhandgesten verhalten. Ab diesem Punkt war für uns klar, dass wir ein VR-Game mit Handtracking entwickeln werden.

Wer steckt hinter der Entwicklung? Wie seid ihr das Projekt angegangen?

Wir sind ein sechsköpfiges Studententeam, bestehend aus zwei Programmierern (Lars Gohde, Marius Maucher), einem Game Designer (Sebastian Dreschmann), einem Producer (Kevin Bruno) sowie zwei Artists (Emil Judin und Jennifer Bell).

Zu Beginn hatten wir ehrlich gesagt wenig Ahnung, wo wir anfangen sollten - wir hatten zuvor noch nie etwas Vergleichbares gemacht. Es gab also viele „Premieren“: zum ersten Mal in diesem Team arbeiten, die Artists mussten sich zunächst 3D selbst beibringen, die Programmierer arbeiteten zum ersten Mal in VR usw. Aber gerade durch das Arbeiten außerhalb unserer Komfortzone haben wir in dieser Zeit unglaublich viel gelernt.

War von Anfang an klar, dass es eine App werden würde? Oder stand zum Beispiel auch ein Computerspiel im Raum?

Für uns war von Anfang an klar, dass es eine VR-Anwendung mit Handtracking sein würde, da wir nur so die Funktion erfüllen konnten, die uns gestellt wurde.
Float wird gespielt, indem Menschen einen kleinen Charakter namens Pooki über Inseln in der Spielwelt mittels Handgesten führen. Dabei tragen sie ein von Myomod entwickeltes Armband, das bei jeder Handgeste die Muskelkontraktionsdaten misst und in Echtzeit an das Unternehmen übermittelt. Das funktioniert also nur, wenn Spieler aktiv diese Handgesten ausführen.

Was ist das Ziel eurer App? Welche Idee steckt dahinter?

Das Ziel von Float ist es, durch das Sammeln von Muskelkontraktionsdaten das Anlernen von myoelektrischen Prothesen effizienter zu machen. Normalerweise müssen solche Prothesen aufwendig auf einzelne Personen trainiert werden, was teuer und zeitintensiv ist.

Da Float von ganz unterschiedlichen Menschen gespielt wird - Kinder, Erwachsene oder auch Großeltern - baut sich mit der Zeit ein großer Datenpool auf, der genau dafür genutzt werden kann. Die Daten sind außerdem Open Source, also öffentlich zugänglich.

Wie finanziert sich die App? Wie verlief die Entwicklung?

Float ist kostenlos im Meta Horizon Store verfügbar und hat zum jetzigen Zeitpunkt über 5000 Downloads. Die Idee dahinter ist, Float so zugänglich wie möglich zu machen - wir wollten damit kein Geld verdienen, sondern Menschen helfen und gleichzeitig mehr über Spieleentwicklung lernen.

Unser Team hat ein Semester lang (inklusive Semesterferien) Vollzeit an dem Projekt gearbeitet. In dieser Zeit haben wir unglaublich viel gelernt - über Spieleentwicklung, Event-Management und Networking. Für uns hat es sich also auf jeden Fall gelohnt.

Welche Erfolge gibt es bereits zu verzeichnen?

Unser Team durfte mit Float im Laufe des Jahres viel reisen! Auf den German Dev Days in Frankfurt hatten wir unsere erste Erfahrung als Aussteller. Danach besuchten wir noch mehrere kleinere Events und waren im August mit Float auf der Gamescom in Köln in der Business Area, wo wir wunderbar networken konnten.

Nach und nach folgten auch die ersten Nominierungen, wodurch wir Float unter anderem auf dem XRC in Hamburg, dem Student Games Festival in Warschau und beim Multimediapreis in Dresden präsentieren durften.

Vor Kurzem haben wir außerdem den Digital Responsibility Award gewonnen, und im März waren wir damit auch auf der GG Bavaria in München. Wir hätten nie erwartet, dass das Projekt so erfolgreich wird, und freuen uns natürlich sehr darüber!

Nächste Schritte? Wie lange wird die App zu nutzen sein? Gibt es ein Enddatum?

Float ist von unserer Seite aus zunächst abgeschlossen und wird weiterhin im Meta Horizon Store verfügbar sein. Wir hoffen für unseren Partner Myomod, dass sie ihr Ziel weiterhin verfolgen können und dafür die nötigen Ressourcen bekommen.
Alle, die ein Armband zur Datensammlung erhalten möchten, können sich an myomod.org wenden und bekommen kostenfrei eines zugeschickt. Ansonsten lässt sich das Spiel, falls man mal kein Armband hat, auch so spielen.

Was ist für euch am wertvollsten?

Ich denke für uns als Studententeam ist es am wertvollsten, Kontakte aus der Spieleindustrie zu gewinnen. Für Myomod wäre es aber einerseits am besten, mehr Nutzer zu erreichen, andererseits vor allem aber auch potenzielle Partner. Ihre Idee ist so wunderbar, da wäre es richtig schade, wenn es an fehlenden Ressourcen scheitern würde.

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Verfasser

Jennifer Bell

Jennifer Bell
Studentin

Jennifer Bell ist Studentin im 5. Semester an der Hochschule Neu-Ulm im Studiengang Game- Produktion und Management. Ihre Rolle im Team ist Game Artist, mit einem Fokus auf Character Art. Neben dem Vollzeit-Studium ist sie Tutorin und Studiengangsbotschafterin.